Tag 79 – der Wandel

6. November

Australien ist sehr vielseitig, das kann sich ja jeder vorstellen. Was das aber wirklich heißt, ist nicht so leicht zu begreifen. Und auch ich bin gestern ins Staunen geraten und kann es immer noch nicht richtig fassen.

Wir haben ja schon vor ein paar Tagen das richtige Outback hinter uns gelassen und sind durch Savanne gefahren. Aber gestern waren wir mit einem Schlag in Europa, aber gleichzeitig auch überhaupt nicht in Europa. Das klingt jetzt sehr verwirrend, deswegen lasst es mich erklären.

Die Landschaft der Athertoner Tablelands ist eine Kulturlandschaft und erinnerte mich sehr an Bayern. Sehr bergig – und zwar wirklich bergig, so bergig, dass sogar Knuts V6 teilweise Probleme hatte – und viele Weiden mit Kühen. Quasi fast wie die Alpen, nur bei angenehmen 31°C – und die waren gestern wirklich angenehm, man konnte nicht glauben das es 31°C waren – oder wie ich immer sage: Bayern in 20 Jahren.

Wenn man dann aber – wie wir – abbiegt, um zu den „Tully Falls“ zu gelangen, fährt man auf einmal durch einen Dschungel. Einen richtigen Regenwald! Und wenn man sich dann überlegt, dass es hier vor einiger Zeit überall so war, und wie die Europäer hier gewütet haben müssen, um Weideland zu gewinnen, läuft es einem kalt den Rücken hinunter.

Aber zurück zu den Tully Falls. Sie standen eigentlich nicht auf dem Plan, genauso wenig wie die „Big Millstream Falls“, auf beide Wasserfälle sind wir durch die Beschilderung gestoßen. Bei den „Millstream Falls“ kam – natürlich – mein geliebtes Stativ zum Einsatz und generell waren die Wasserfälle sehr schön. Zu den „Tully Falls“ bin ich am Ende abgebogen, weil das Zeichen des UNESCO Weltnaturerbe dahinter stand. Insgesamt sind wir 22 km gefahren, und das gute letzte Stück bestand aus einer Straße die so breit war wie ein Auto, auf der einen Seite ging es abwärts in den Dschungel, auf der anderen reckte sich der Hang in die Höhe. Leitplanken waren – wen wundert‘s? – natürlich nicht vorhanden. Zum Glück kam uns auf Hin- und Rückweg nichts entgegen, denn das Ausweichen wäre dann schwierig geworden, selbst wenn man keine Angst mehr haben musste, dass einen der Regenwald für immer verschluckt, wenn man von der Straße abkommt. Das Gelände war dann zwar mehr oder minder eben, dafür hing der Regenwald streckenweise bis auf die ca. 2,5m breite Straße.
Alles in allem ein großer Spaß und ein riesen Kontrastprogramm. Vor ein paar Tagen Staubpiste im Outback, jetzt undurchdringbarer Dschungel.

This is Australia! Unfassbar!!

Es wurde aber noch besser. Nach einem Schild, welches uns vor Bauarbeiten warnte, standen wir nämlich vor einem LKW – also er stand nicht auf der Straße. Während wir uns fragten wie der es hierher geschafft hatte, fuhr ich weiter. Der Asphalt wich dem typischen australischen Feldweg – der besitzt hier übrigens nur sehr selten Schlaglöcher – und hinter der nächsten Kurve sah ich haufenweise Dreck auf der Straße, und dahinter so ein Vieh mit dem sie die Gravel Roads immer gerade ziehen. Keine Ahnung wie man das nennt, aber die gibt es in Deutschland auch. Insgesamt 6 Räder, vorn 2 hinten 4 und dazwischen ein Schiebeschild, um die Straße zu glätten. Mit so etwas hatte ich überhaupt nicht gerechnet und während ich voll auf die Eisen ging und Knut wiedermal rutschend zum stehen kam, dachte ich mir: Wie zum Teufel kommt der denn hier her?!

Jetzt muss ich an der Stelle mal kurz einhaken, denn das hört sich jetzt gefährlich an, aber das war es keineswegs. Ich bin nicht mal mit 40km/h um die Kurve gefahren, und zwischen mir und der Baumaschine waren noch gute 300m. Man guckt nur nicht schlecht, wenn so ein Gerät auf einmal im Dschungel steht. Es hätte da nicht sein dürfen, fast unmöglich das der um die Kurven gekommen sein soll. So ich hoffe es hat keiner einen Herzanfall bekommen. großes Grinsen

Nachdem ich stand, habe ich gleich den Rückwärtsgang eingelegt, denn die Maschine kam auf uns zu. Es war eine Bucht in der Nähe, somit musste ich nicht weit fahren. Der Fahrer der Maschine hatte scheinbar nicht mit mitdenkenden Autofahrern gerechnet, denn er hatte sich sehr gefreut, dass ich zurückgefahren bin, um ihm Platz zu machen. Mit viel Freude im Gesicht und mehreren Daumen nach oben fuhr er an uns vorbei und rammte dann einen kleineren Baum. Ich habe keine Ahnung ob er nicht aufgepasst hat, oder ob es Absicht war. Jedenfalls ein sehr lustiger Zeitgenosse.
Er meinte später auch, das es hier gerade etwas trocken sei. Und wie wir ein wenig später mitbekamen, war der Wasserfall leer… Tolle Wurst.
Der Anblick des leeren Wasserfalls war trotzdem sehr imposant, und mir war klar warum er Weltnaturerbe ist. Nachdem wir ein wenig durch den Dschungel gewandert waren, ging es zu einem Aussichtspunkt. Der Regenwald faszinierte mich schon sehr und es ist schade, dass ich wegen der Regenzeit nicht in den Daintree Nationalpark kann.

Der Aussichtspunkt bot ein grandioses Panorama. Danach ging es weiter zum „Waterfall drive“, einer Schleife auf der man an drei Wasserfällen vorbeikommt: „Ellinjaa Falls“, „Zillie Falls“ und den „Millaa Millaa Falls“. Um die „Zillie Falls“ in voller Schönheit bestaunen zu können, mussten wir auf einem Weg durch den Dschungel laufen –  Weg konnte man es wahrlich nicht nennen, denn wir kämpften uns über eine Art Trampelpfad den Hang nach unten. An einer Stelle musste ich mich an einer Liane festhalten, um nicht in den Busch zu rutschen. Sehr abenteuerlich, vor allem in blauen Badelatschen.

Das soll jetzt aber auch reichen.

Zurück geleckte Strecke:  174,1km

Fotos des Tages.

2 Replies to “Tag 79 – der Wandel”

  1. Ich sehe sie bildlich vor mir… die blauen Badelatschen (inzwischen natürlich ohne Profil, klaro ;-P) Die eignen sich wirklich für jede Lebenslage. Vom Einsatz auf der Baustelle bis zur Tour durch den Dschungel. 🙂 Langweiler nutzen sie gelegentlich auch beim Baden :-))

    1. Die blauen Badelatschen sind eigentlich immer im Einsatz, fast 24/7. 😉

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