Tag 76 – Savannaway

3. November

Wir flohen während der letzte Nacht noch aus dem Sandfliegenland und wachten auf einem Parkplatz auf – auch mal eine Erfahrung. Allerdings waren wir nicht vor den Sandfliegen auf der Flucht, denn wir bemerkten ja erst am nächsten Morgen das Resultat. Der Grund für unsere Flucht lag viel weiter oben, im Himmel. Ich hatte nämlich Angst, dass das heranziehende Gewitter unseren Untergrund – der hatte die Konsistenz von dem Inhalt eines Estrichsacks aus dem Baumarkt – aufweicht, und wir nicht mehr herauskommen, da wir uns vermutlich in der Pampe eingegraben hätten. Das Ende des Liedes, es hat die Nacht nicht geregnet… Aber Vorsicht ist ja bekanntlich besser als Nachsicht. 😉

Neben uns auf dem Parkplatz stand übrigens ein alter Russentraktor. Davon abgesehen nutzte ich die Gelegenheit, um meine Matratze mal richtig auszuschütteln. Dann ging es schon auf den „Savannaway“ Richtung Tablelands, vor den Toren Cairns.

Wie hier im Text wäre ich damals fast an der Sehenswürdigkeit der Gegend vorbei gefahren. Nein. Ich bin vorbeigefahren, und die 20 m dann im Rückwärtsgang zurück. Denn diesmal war die Attraktion auch eine Attraktion, nicht so wie die verrosteten Kessel die wir uns davor angesehen hatten. Es handelte sich um eine heiße Quelle. Und die war wirklich heiß, nicht irgendwie warm oder so, nein, das Wasser kochte. Das Wasser floss ungenutzt in die Landschaft, dass formte zum einen eine sehr interessante Farbenpracht, wie man das von heißen Quellen so kennt, zum anderen hätte man damit auch saubere Energie umwandeln – ja, physikalische Korrektheit ist wichtig 😀 – können. Ein Zwiespalt, aber zurück zum Savannaway.


Bis zu den „Leichhardt Falls“, die ich übrigens vergeblich suchte, war der Savannaway geteert. Danach formte er sich zu einem Gravelhighway. Genial!! Mit 90 km/h – davor konnten wir nur 80 fahren, weil die Straße so schmal war – und einer roten Staubwolke im Rücken fegten wir nun dahin. Hätte ich nicht fahren müssen, hätte ich die ganze Zeit nach hinten aus dem Fester geschaut, um die Staubwolke zu beobachten. 🙂 Es gab da aber auch Kollegen, die eine gewaltigere Staubwolke hinter sich her zogen, also neben den drei Anhängern. Genau, die Road Trains. Diese Staubwolke habe ich schon sehr unterschätzt. Beim ersten Road Train der uns entgegen kam – und die fahren ja auch 90-100 km/h – habe ich nur die Fenster hoch, den Tempomat raus gemacht und bin etwas an den Rand gefahren, um die Steinschläge zu vermeiden. Nun, als wir in der Wolke waren, hätte eine Kuh 5 cm vor der Motorhaube stehen können und man hätte sie nicht gesehen!! Den nächsten Road Train trafen wir hinter einer Kurve, deswegen war seine Staubwolke nicht so undurchdringbar.

Aber dafür ist jetzt eure Fantasie gefragt. Stellt euch so einen Road Train vor, wie er auf einmal hinter der Kurve vor euch auf der anderen Straßenseite steht, mit der roten Staubwolke hinter sich und tief schwarzen Qualm aus den zwei Schornsteinen – hat scheinbar gerade geschalten. Einfach HAMMERMÄẞIG!!!! Beim Dritten bin ich dann, so weit es ging, am Straßenrand stehen geblieben, bis man wieder etwas vor sich sah.

Wieder auf geteerter Straße zurück, machten wir, auf der Suche nach W-LAN, einen Abstecher zum Ort „Normanton“, denn wir hatten die gesamte Zeit keinen Telefonempfang. Aufgrund des fehlenden Internets konnte ich mich nicht bei Fuel maps über die aktuellen Spritpreise der einzelnen Tankstellen informieren, darum tankte ich im Ort an einem Kiosk. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war es der preisgünstigste Kiosk im Ort. Das Benzin war dort bis zu 15 Cent günstiger als an anderen Tankstellen des Ortes. In Normanton gab es nämlich auch eine BP-Tankstelle mit natürlich dem teuersten Sprit. Außerdem hatte jeder, und zwar wirklich JEDER, kleine Dorfkonsum zwei Zapfsäulen vor der Tür. Schon irgendwie verrückt.

Vollgetankt ging es zum nächsten Ort, in dessen Nähe ein See „Lake Belmore“ war. Am Ufer des Sees gab es eine „Day use aria“, sprich einen öffentlichen Gasgrill, Strom und sogar Duschen. Dort blieben wir dann eine Weile, um Strom zu tanken. 😀 Aber auch viele Kängurus fanden es schön dort. Da man an der Stelle nicht übernachten durfte und konnte, fuhren wir frisch geduscht und voller Energie ;P noch ein Stück. Ein bombastischer Sonnenuntergang beendete den Tag auf der Straße.

Zurück gelegte Strecke:  435,3 km

  • Crocodylus Village, den 15.12.2018  18:40 EAST

Fotos des Tages.

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