Tag 68 bis 71 – East Mac Donell Ranges

26. Oktober
Weit mussten wir diesmal nicht fahren, um zu einer Attraktion zu kommen. Nach 25 km Fahrt erreichten wir schon die „Emely Gap“, es kam mir richtig komisch vor, nicht mehr hunderte von Kilometern abspulen zu müssen, bevor man etwas sieht. Die „Emely Gap“ ist eine vom Fluss in den Fels gefräste Schlucht, nur vom Fluss fehlte wieder mal jede Spur. Also erst mal alles wie in den West Mac Donell Ranges. In der „Emely Gap“ trafen wir übrigens einen Australier, der sich gegen die lästigen Fliegen mit einem Ast verteidigte. Ich fand das eine großartige Idee und musste ihm das natürlich mitteilen, deshalb traf ich dann eben jenen Ast wieder an meinem Auto an. 🙂 Ach ja, Felsmalereien gab es hier ja auch noch zu sehen.

In der „Jessie Gap“, 8 km weiter, konnte ich dann die Funktionalität des Astes testen. Hervorragend! Man macht sich damit zwar zum totalen Vollbroll, aber da man eh die meiste Zeit alleine ist, ist das so was von Wurst. 😉 Und weil wir dort den ursprünglichen Besitzer des Anti-Fliegen-Stocks wieder trafen, er hatte sich inzwischen ein Fliegennetz übergeworfen, – damit macht man sich ja auch tierisch zum Obst, nur ganz nebenbei – konnte ich mich bei ihm für den Stock bedanken. 😀

Ein weiteres Wiedersehen mit dem einheimischen Ehepaar gab es auf der Straße. Wir hatten gerade unsere Fotosession beendet und wollten weiter fahren, als sie uns entgegen kamen, anhielten und fragten ob wir Hilfe bräuchten. Darüber wundert ihr euch jetzt vielleicht, aber man muss wissen, die zwei waren die einzigen Menschen, die wir an dem Tag außerhalb von Alice gesehen haben.

Bevor es dann schlafen ging, genossen wir noch eine geniale Aussicht.

Zurück gelegte Strecke: 42,53 km

Fotos des Tages.

 

27. Oktober
Das Frühstück gab es an diesem Tag  im Auto, denn es regnete! Die Zeit ließ ich natürlich nicht ungenutzt und kramte den weitgereisten Reiseführer hervor – weitgereist deshalb, weil er 6 Wochen von Deutschland nach Darwin per Post unterwegs war und im allerletzten Moment noch von mir aufgesammelt wurde. Mit dem Reiseführer und Locus, einer offline Navigationsapp, wurden dann die sehenswerten Sachen in den „Atherton Tablelands“ dingfest gemacht.

Gegen 10 Uhr konnten wir dann endlich los laufen, und am „Corroboree Rock“ kam wenig später auch mein neues Stativ das erste Mal in der Wildnis zum Einsatz.

Der „Trephina Gorge NP“ war unser nächster Halt. Neben einem eher unspektakulären „Ghost Gum“ (ein weißer Baum) war da natürlich der „Trephina Gorge“. Und was für ein Gorge das war. Hammer!! So hammer, dass wir beide möglichen Wanderungen unternahmen. Auf der ersten Wanderung ist übrigens mein Apfelüberrest, welchen ich wegwarf, genau in einem Busch hängen geblieben. Da war ein Lachflash natürlich vorprogrammiert. 😀 😉

Der „N‘Dhala Gorge“ war aber auch nicht zu verachten. Die Gravelroad dorthin war auch sehr lustig, auch wenn ich diese, seit eines kleinen Denkzettels, mit mehr Bedacht und weniger jugendlichem Leichtsinn fuhr. Auf dem Weg zurück hielten wir an der „Ross River Station“ (oder so). Sie sollte laut Reiseführer irgendwie besonders sein. Außer rosa Kakadus, die man dort eins A vor die Linse bekam, konnte ich aber nichts Tolles weiter finden.

Auf dem weiteren Weg zum eigentlichen Ziel, dem „Ruby Gab“, sahen wir dann ein Pferd mitten auf der Straße. Alle Leser die meinen Telegram-Kanal mit verfolgen, haben es nicht verpasst. 😉

Auf einem richtig tollen Zeltplatz, kurz vor dem „Arthuga Historical Reserve“, fanden wir den einzigen Platz zum Schlafen. Der Zeltplatz selbst wirkte sehr historisch und verlassen. Warmwasser gab es keins, aber duschen wollte man sich da eh nicht. Neben eines Beinaheunglücks mit einer Schlange hatte es sich noch ein Frosch im Klo gemütlich gemacht. Alles in allem eine runde Sache für läppische 5$ pro Person. (Ironie-Alarm) Zu dem Warmwasser noch eine Sache, selbst in den abgelegensten Nationalparks im NT – und auch in allen bisherigen in Queensland – ist Warmwasser Standard, vorausgesetzt es gab eine Dusche.

Zurück gelegte Strecke: 140,5 km

Fotos des Tages.

 

28. Oktober
Wir hatten Glück, denn wir sind wieder unbeschadet aufgewacht. Bei dem Anblick des Zeltplatzes war das fast schon nicht zu erwarten.

Naja so schlimm war es nun auch nicht, aber schön ist etwas anderes. An diesem Tag haben wir uns die historischen Stätten angesehen. Ein paar alte Steinhäuser, hier und da ein rostender Kessel und vergitterte Löcher, in denen vor langer langer Zeit mal nach Gold gesucht wurde, nicht zu vergessen, zwei Friedhöfe. Jetzt mal im Ernst, hätte man das nicht gesehen, wäre man auch nicht gestorben. Aber es lag auf dem Weg ins „Ruby Gap“ und das hatte der Reiseführer schließlich als Geheimtipp für Abenteuerlustige angepriesen.

Die Abkürzung, die ich dorthin fahren wollte, gab es nicht mehr. Am Ende der „Arthuga Historical Sites“ war nämlich ein Tor mit gleich drei Schlössern und die „Straße“ hinter dem Tor sah so aus, als ob da seit 7 Jahren keiner mehr lang gefahren ist. Also mussten wir den ganzen Weg wieder zurück – klingt jetzt dramatischer als es war. Die Gravelroad zum „Ruby Gap“ wurde auf jeden Fall immer schlechter, so dass wir große Teile der 35 km Strecke mit ca. 14 km/h zurücklegen mussten.

Das große Abenteuer wartete aber noch auf uns. Ab dem Anfang des „Ruby Gap Nature Parks“ konnte man den „Weg“ nicht mal mehr mit gutem Willen „Weg“ nennen. Wir fuhren im Flussbett! Und zwar mit Unterschrittgeschwindigkeit, denn die Verwerfungen im Sand waren kleine Wellen, und sobald man schneller als 4 km/h fuhr, schaukelte sich Knut komplett auf. Auch bei 4 km/h dachte man, man fährt ein Schiff und keinen 4WD. Um so tiefer wir rein fuhren, um so anspruchsvoller wurde es, und als sich der Weg gabelte – einer weiter durch den Fluss und der andere am Ufer entlang – hielt ich das erste Mal an, um zu sehen welcher besser ist. Mir hat nämlich keiner der beiden Wege auf Anhieb gefallen, und somit wurde dann das kleinere Übel, oder man sollte eher sagen der einzige der für mich und mein Auto infrage kam, gewählt: Weiter durch den Fluss. Dabei ein respektvolles Auge auf die beiden Bullen am anderen Ufer (gute 30 m entfernt) geworfen. Die haben mir in dem Moment am meisten Sorgen gemacht.

Nachdem wir dem Flussbett für eine Weile den Rücken gekehrt hatten, querten wir an anderer Stelle das Flussbett wieder, um in den höher liegenden Teil zu kommen. Bei dieser Aktion blieben wir im Sand stecken. Auf Deutsch, wir mussten im Sand den Berg hoch und sind nicht weit gekommen. Wiedermal mit mehr Glück als Verstand gesegnet, sind wir im Rückwärtsgang herausgekommen. Im zweiten Anlauf hatte ich den Reifendruck reduziert und siehe da, wir schafften es. Zum Glück! Wenig später beschloss ich aber unser Lager aufzuschlagen, denn ich wollte nicht mehr weiterfahren, ich war zu müde für die Strecke. Wie sich dann später beim Weiterwandern herausstellte, wären wir auch nicht viel weiter gekommen. Zu wenig Bodenfreiheit.

Ganz am Ende des Tals fanden wir dann einen Toyota Land Cruiser vor. Die Besatzung aus Alice Springs war regelrecht entzückt über die internationalen Gäste im „Ruby Gap“.

Nach dem Essen nutzte ich mein Stativ für ein paar Aufnahmen der Milchstraße. Das perfekte Ende eines schönen Tages.

Kleiner Vermerk: Die Beweisfotos von Knuts Meisterung des „Ruby Gaps“ sind leider abhanden gekommen…

Zurück gelegte Strecke: 68,4 km

Fotos des Tages.

  • Crocodylus Village, den 9.12.2018  18:37 AEST

 

29. Oktober
Der Tag begann mal wieder mit einer Wanderung. Diesmal war der Himmel bedeckt. Somit waren wir nicht so der Sonne ausgesetzt und die Temperaturen waren erträglicher.

Auf den 11 km, die wir insgesamt wanderten, genossen wir die geniale Landschaft. Das Rot der Felswände stand im Kontrast mit dem Blau der Felsbrocken die aus dem Flussbett ragten, und dazu das für die Gegend viel zu saftige Grün des Schilfes. Einfach bombastisch!! So war allerdings leider auch die Fliegenbelastung…

Auch an den tiefen Stellen an denen der Fluss Wasser führte, waren Reifenspuren zu sehen. Das war schon sehr beeindruckend, da das Flussbett an manchen Stellen sogar einen Toyota Land Cruiser herausfordern musste – man muss wissen, ein Land Cruiser ist das Heftigste was es für Offroad gibt, den bringt so leicht nichts in Verlegenheit, aber auch ein Land Cruiser ist kein Schwimmpanzer. Wir hingegen ließen uns vom tiefen Wasser nicht aufhalten. An der Felswand entlang hangelnd, bahnten wir uns den Weg durch die immer schöner werdende Schlucht des „Hale River“. Und warum der weite Weg? Nun, ich habe das englische Wort „Grave“ für Grab mit dem Wort „Cave“, also Höhle, verwechselt. 😀 Aber es ist ja nicht so, dass es alles für die Katz war, alleine wegen der Landschaft hat es sich gelohnt.

Übrigens, das mit dem Grab hatten wir auf einem Schild gelesen. Das Besondere war wo das Schild stand, nämlich irgendwo im Nichts. Um dort hin zu kommen, musste man schon wissen, dass da ein Wanderweg lang gehen soll. Neben dem Grab hatte jemand eingeritzt: „Can‘t find.“ Wir wussten dann auch warum. Es waren keine Markierungen, wie sonst immer, angebracht. Wir wären auch schon fast umgedreht, aber ich wollte diese verdammte Höhle finden und mit der Locus-App und einem Bild der Karte haben wir es auch weit genug geschafft, so dass uns blaue Pfeile wieder aus dem Flussbett zu dem Grab lotsten. War schon lustig mitten im Nichts, auf einmal Schilder zu entdecken.

Nachdem wir wieder am Auto waren, war für mich aber noch nicht an Entspannung zu denken. Wir mussten ja wieder zurück nach Alice Springs. Dort heil angekommen, füllten wir unsere Vorräte auf und übernachteten noch eine Nacht auf einem 15$ Zeltplatz.

Zurück gelegte Stecke: 169,8 km

Fotos des Tages.

  • Crocodylus Village, den 10.12.2018  17:08 AEST

2 Replies to “Tag 68 bis 71 – East Mac Donell Ranges”

  1. Bloß gut das die Beiträge zeitversetzt kommen. Dann weiß ich nämlich nicht sofort von den Beinahe Unglück mit Schlange & Co… 😉
    Wenn ich deine Erlebnisse jetzt erst lese, dann weiß ich ja, dass Du noch heile bist <3
    Zum Glück muss ich nicht live dabei sein, wenn Du über diese Gravelroad´s fährst. Da wäre ganz eindeutig meine Grenze erreicht. Ich weiß ja über welche Strecken ich schon mit Dir und deinem Vater in so manchem Griechenland Urlaub heizen musste. Das war schon schlimm genug. Da ist der Inhalt in der Hose nämlich vorprogrammiert. 😛

    1. Ich wusste von Anfang an, dass du nie die geteerte Straße verlassen wirst. 😀

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