Tag 17 – dieser Tag einfach

Wie fange ich denn an? Am besten von vorne, Maurice. 😀

Ich habe ja gestern von dem Kluger berichtet, nun ich habe gestern schon mit mehreren Leuten und der Heimat darĂŒber gesprochen und es hat eigentlich auch mein BauchgefĂŒhl wieder gespiegelt. Das Auto ist nicht mein Auto. Also habe ich dem VerkĂ€ufer abgesagt und natĂŒrlich auch dem Mechaniker. Nun hat der VerkĂ€ufer nicht einfach klein bei gegeben – ihm ist ja schon der KĂ€ufer davor im letzten Moment abgesprungen – und hat mich, dann anrufen und wollte wissen warum. Stellt ja an sich kein Problem dar, mich hĂ€tte es an seiner Stelle auch interessiert und mit mir kann man ja auch reden. Also habe ich es ihm erklĂ€rt und mich dann ĂŒberreden lassen – denn so schlecht wirkte das Auto nicht – mich mit ihm und dem Mechaniker (er heißt ĂŒbrigens Dennis und ist ein richtig guter Mechaniker, wenn jemand in Darwin einen braucht, soll er sich bei mir melden, ich gebe ihm seine Nummer) doch zu treffen. Also habe ich Dennis wieder angeschrieben und die Sache erklĂ€rt. Dazu muss man sagen Dennis wollte dabei auch immer die HintergrĂŒnde wissen, warum ich beim ersten mal abgesagt habe (Auto war schon weg) und auch warum beim 2. Mal (ungutes GefĂŒhl); er hat dann auch gesagt, dass er mir ein paar Tipps geben wird.

12:30 Uhr war dann das Treffen. Dennis hat sich den Kluger angeschaut und mir auch erklĂ€rt wie ich was herausfinde, damit ich ihn beim nĂ€chsten Auto eventuell nicht mehr brauche (seine Worte). Dabei hat er herausgefunden, dass der Keilriemen unbedingt gewechselt werden muss – er war sowohl 1 Jahr wie auch von den km ziemlich ĂŒberfĂ€llig. Bei der Testfahrt ist, dann noch mehr aufgefallen. Die MĂ€ngelliste insgesamt: Keilriemen, vordere Bremsen und Luftfilter wechseln, Vorder- und Hinterreifen tauschen, von Fahrer- und Beifahrerscheibe hĂ€tte man die Folie abziehen mĂŒssen (hatte sich auf gewellt, man hat kaum noch was gesehen) und zu guter Letzt noch ein komisches GerĂ€usch, bei dem er die Übersetzung vermutet. Daraus folgt viele Reparaturen, ergo Preis runder.
Ich bin, dann mit Dennis zurĂŒck um Geld abzuheben, um ihn zu bezahlen. Er war dann schon bei anderen – auch Deutsche, die etwas ĂŒbers Ohr gehauen wurden. Er sagte ich soll noch mal zurĂŒck kommen, damit er mir noch ein paar Tipps geben kann. Ich bin dann wieder zurĂŒck, um ĂŒber den Preis zu verhandeln. Ich dachte mir ich ziehe die 1200$ fĂŒr den Keilriemen ab und es ist ok – im nach hinein verstehe ich die Entscheidung nicht mehr, aber es war ziemlich viel auf einmal bei 35°C und leichten Kopfschmerzen – darauf willigten sie auch nach einem kurzen GesprĂ€ch ein. Die beiden haben das schon clever gemacht, sie waren sehr freundlich – schon zu freundlich – habe aber nicht viel Zeit zum Nachdenken gelassen. Ich habe in dem Moment schon gemerkt, dass das nicht so richtig lĂ€uft, also das die mich gerade etwas bescheißen, aber … es lĂ€sst sich schwer beschreiben, sie haben es halt geschafft, dass ich unĂŒberlegt handle. Sie waren ja auch zu zweit, da geht das nochmal besser. Wir haben dann auch den Papierkram gemacht. Ja. Ich habe den Zettel zum ummelden wirklich von beiden unterschrieben in der Tasche. (ich weiß, dass liest sich wie ein Thriller. Vor allem fĂŒr alle die mich kennen, aber es geht noch weiter. 😉 ) Wir haben dann alles ausgemacht, er hat mir seine IBAN geschickt, damit ich es gleich in Euro ĂŒberweisen kann – ist ja einfacher fĂŒr beide. Und damit war ich dann auf dem Weg zurĂŒck zu Dennis.

Er war gleich ganz ĂŒberrascht, als ich ihm erzĂ€hlt habe, dass ich das Auto gekauft habe. Als ich dann gesagt habe, dass ich noch nicht bezahlt habe, hat er aufgeatmet. Er hat den Braten auch gleich gerochen und wusste, dass sie mich unter Druck gesetzt haben. Er war in diesen Moment der perfekte Papaersatz -ja Papa dich hĂ€tte ich gerne bei allen Autos dabei gehabt – und hat mir dann auch klar gemacht, – was ich selber auch mitbekam – dass das alles viel zu schnell ging und so langsam realisierte ich auch in welcher Situation ich mich befand. Ich war gerade dabei, ein Schrottauto zu kaufen – zumindest eins in das mehr als 6000$ fließen wĂŒrden. Dennis hat es auch ganz treffend formuliert. Autos sind wie MĂ€dchen, man sollte ihnen nie sein ganzes Geld geben, denn wenn sie kaputt bzw weg sind ist alles weg. Und er hat recht. Frauenfeindlich hin oder her.
Schon an der Stelle war Dennis das beste investierte Geld meines Lebens, 50$ hat seine Inspektion gekostet. Die GesprĂ€che und Tipps waren quasi gratis dazu. Dann hat er mir auch noch gesagt, dass ich den VerkĂ€ufer gleich anrufen soll und ihn sagen soll, dass ich die Entscheidung zu schnell getroffen habe und noch eine Nacht drĂŒber schlafen will und dann in Erfahrung bringen möchte was die Reparaturen kosten und mich dann entscheide, wenn die beiden aus Kakadu – der Nationalpark, wo sie morgen hinfahren – zurĂŒck sind. Das hat mir sehr geholfen, denn selber wĂ€ren mir die Vokabeln gar nicht alle eingefallen und damit geht sehr sehr viel Sicherheit im auftreten verloren! man glaubt das nicht. Ist aber so!!

Genau das habe ich dann gemacht. Der VerkĂ€ufer hat es auch geschluckt, musste er ja auch. Als ich im Hostel war hat mich dann seine Freundin angerufen – man muss wissen er ist aus Frankreich, sie ursprĂŒnglich aus England und war lange Zeit in Australien. Ihr habe ich dann das selbe erzĂ€hlt. Ich habe mich auch nicht mehr aus der Ruhe bringen lassen, da mir klar war, das Auto willst du gar nicht! Dem entsprechen gelang auch der Druckversuch nicht von ihr, als sie sagte sie stellen das Auto jetzt wieder ins Netz.
An der Stelle sei gesagt, Dennis hat mir nie von dem Auto abgeraten, er hat sogar gesagt, wenn es repariert ist, ist es ein gutes Auto. Er hat mir klar gemacht – und keine Ahnung warum ich mir das nicht selber klar gemacht habe – ich habe Zeit, die VerkĂ€ufer nicht. Das ist mein Vorteil.

Soweit so gut, jetzt können erst mal alle Zuhause aufatmen. Der Thriller ist vorbei. Ich habe keine tausende Euro in den Sand gesetzt, um diese Erfahrung zu machen.

Wie hat Papa so schön gesagt: „Uff. Hört sich ja richtig grausig an. Listige Menschen lauern ĂŒberall. Die Erfahrung musst Du machen. Umso besser, wenn sie nichts kostet.“ (Rechtschreibung und Grammatik folgt der Vorlage)
Und er hat Recht. 🙂

Aber da war es erst 14:54 (denke ich zumindest, so was in der Drehe auf jeden Fall), das heißt die Geschichte geht noch weiter. 😉 Und wir habe jetzt schon mehr Wörter als in meinem Deutschvorabitur 😀 nĂ€mlich 1087.

Dennis hat mir nĂ€mlich noch ein anderes Auto gezeigt, eins was er mir anbieten könnte. Er kannte ja meine Vorgeschichte, soll heißen das Angebot hat er nur mir gemacht! Bei dem Auto handelt es sich um einen weißen Mitsubishi Challenger – jetzt dĂŒrften alle hellhörig werden. 😉 Er hat mir angeboten mich mitzunehmen, wenn er Heim fĂ€hrt, er wohnt in Casuarina – einem Stadtteil von Darwin. Ich habe zugesagt und bin dann ins Hostel mich duschen, Mama und Papa informieren und dann halb 4 weiter. Die Fahrt nach Casuarina war cool, die zwei sind voll nett. Wir haben ĂŒber verschiedene Dinge erzĂ€hlt, vor allem ĂŒber Autos.

Der Challenger ist perfekt. Ich spare mir an der Stelle die Beschreibung und sage nur soviel. Ich kann ihn fĂŒr 4800$ haben. Das Auto ist dann komplett fertig, alle Reparaturen sind gemacht, Öl, Öl- und Luftfilter sind getauscht und das Auto bekommt gleich auf meinen Namen Rego! Der Challenger ist von 2001 hat weniger als 300.000 runder, das Beste kommt aber noch! Diesen Challenger hĂ€tte ich eh schon gekauft – es war nicht der fĂŒr 3000$, aber zu dem komme ich spĂ€ter noch mal. Die genauen UmstĂ€nde möchte ich nicht schildern, da ich es versprochen habe. Nichts Illegales oder Schlimmes!!!!  Ich halte Versprechen aber. Und Tempomat hat er auch! 😉
Dennis hat auch gesagt, er will mich nicht unter Druck setzen. Ich soll eine Nacht drĂŒber schlafen und mir ruhig noch andere Autos anschauen. Er hat das Angebot exklusiv mir gemacht, weil ich ihm das mit dem 3000$ Challenger erzĂ€hlt habe. Wenn ich es nicht nehme hĂ€tte er es nĂ€chsten Monat verkauft. Eigentlich wollte er es ja selber nutzen, weil sie noch keine 4WD hatten, und sie damit Campen gehen wollten, aber das klappt nicht mehr so ganz (GrĂŒnde will ich nicht veröffentlichen, einfach aus Respekt). Ich denke aber, ich werde ihn nehmen, denn ein besseres Angebot finde ich nicht! Es ist einfach so!

Er hat mich dann zum Busplatz gefahren und ich bin mit dem Bus zurĂŒck nach Darwin CBC. Als ich dann von der Haltestelle zum Hostel gelaufen bin, habe ich den 3000$ Challenger gesehen. Er stand genau an der selben Stelle, wo ich ihn den Abend vor der Testfahrt gesehen habe. Damit weiß ich jetzt auch, das der VerkĂ€ufer einfach kein Bock auf den Mechanikercheck hatte, denn es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass der neue Besitzer auch wieder an der Stelle ist wo vorher der VerkĂ€ufer war.

Am Ende bestĂ€tigt sich das, was wir unter den Backpackern hier sagen. Wenn irgendwas schief lĂ€uft, keine Panik, es fĂŒgt sich alles von alleine zu einem guten Ende. Und der heutige Tag von mir war nur ein Beispiel, Ă€hnliche Geschichten habe ich schon öfters gehört und solange bin ich noch nicht hier. 😉

Damit Chiers [wird hier auch als Verabschiedung genutzt ;)]

  • Darwin, den 5.9.2018  21:28 ACST

PS: Angefangen zu schreiben, habe ich 19:39 ACST 😀 Ist wie ein Deutschabi. 😀 Also…

…Wörter: 1558 +-0 😉 ;P

8 Replies to “Tag 17 – dieser Tag einfach”

  1. Ich muss gestehen, was die Autos angeht, hab ich den Überblick verloren… ?
    Der Mechaniker scheint mir sehr engagiert zu sein… Hoffentlich verarscht er dich nicht. Sag ihm schöne GrĂŒĂŸe von mir, wenn er dich ĂŒber’s Ohr haut, lernt er mich persönlich kennen… ? Zwischenstopp in Darwin stellt dabei kein Problem dar. ?
    Aber ich denke du wirst die richtige Entscheidung treffen. Und in einem Punkt hat Dennis auf jeden Fall recht… Du hast Zeit!!! Denk an die SprĂŒche aus Oma’s Zeiten… „In der Ruhe liegt die Kraft.“ In diesem Sinne wĂŒnsche ich dir das du das richtige Auto auswĂ€hlst, willst uns ja schließlich chauffieren. ??

    1. Ja, konnte ich mir denken, dass man als Außenstehender den Überblick verliert.
      Dennis hat so was nicht nötig und das ist das richtige Auto. 😉

  2. Ein super Bericht!

    Ich bin froh, dass Du diese Erfahrung gemacht hast. Es wird sicher nicht die Letzte dieser Art sein. Das gehört aber zum richtigen Erwachsenwerden dazu.
    Zu meiner Zeit ist man mit paar Kumpels und dem Motorrad nach Tschechien oder Ungarn gefahren um die „Fremde“ kennenenzulernen heute ist es das andere Ende der Welt. Ich beneide dich um dieses schöne Abenteuer.
    Zum GlĂŒck macht’s die Technik möglich, weiterhin in Echtzeit ĂŒber z.B. Telegram zu kommunizieren, da ich sonst wahrscheinlich schon vor Sorge den Verstand verloren hĂ€tte.

    Super, dass es so eine gute Wendung genommen hat. Du wirst sehen du wirst dich in dem Challanger wohlfĂŒhlen. Du wirst jeden Platz, der er mehr bietet zu nutzen wissen und am Ende auch benötigen. Richte Dennis liebe GrĂŒĂŸe aus. Wenn ich könnte wĂŒrde ich sofort ein- oder auch mehrere Bier mit ihm trinken gehen.

    Dein Papa, der sich fast sicher ist, dass dieser Mitsubishi Challenger der richtige zuverlÀssige Begleiter sein wird, den du benötigst.

    1. Tschechien oder Ungarn ist bestimmt auch toll. Vielleicht verschiffe ich meinen Challenger. 😀
      Seit ich den 1. Challenger gesehen habe, wollte ich auch so einen. Er hat einfach was. 🙂
      Ich richte es Dennis aus. 😉

  3. Nachtrag:

    Maurice schrieb:
    „…Dabei hat er herausgefunden, dass der Keilriemen unbedingt gewechselt werden muss…“

    Er meinte sicher den Zahnriemen. Das Wechseln kostet in Deutschland je nach Hersteller um die 700 €. Möglich, dass der Preis bei GelĂ€ndewagen noch höher ist.

    Maurice schrieb:
    „…(Rechtschreibung und Grammatik folgt der Vorlage)…“

    Hallo !!! Das war ein schnelles Schreiben in der FrĂŒhstĂŒckspause ĂŒber den Telegram Messenager. Wer achtet da auf Grammatik und Rechtschreibung? 😉

    1. Dennis meinte es geht bei 1200$ – 1500$.

      Das mit der Rechtschreibung steht bei alten Texten auch immer drunter 😉

  4. Du sollst auf die Grammatik achten, denn ich werde deine Texte als Leseverstehen in der Klasse benutzen!!!! Vor allem den, mit viel Konjunktiv!
    Ioanna

    1. Oh je! Ich werde mir MĂŒhe geben, garantiere aber fĂŒr nichts. 😀
      Es ist aber eine große Ehre fĂŒr mich, das zu hören. 🙂

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